Was wäre die Welt ohne Geschichten? Könnt ihr euch eine solche Welt vorstellen? In einer Zeit mit so vielen Medien wie: Büchern, dem Internet und CDs sollten wir uns überhaupt nicht über einen Mangel an Geschichten beschwerden. Es gibt jedoch eine besondere Erzählkunst die nicht allen bekannt ist und in vielen Ländern einfach vergessen wurde. Ich spreche hier von Kamishibai, einer japanischen Methode des Geschichtenerzählens.
Ich habe sie in Deutschland kennengelernt als ich im Kindergarten arbeitete. Sie ist unglaublich – schade, dass sie in Polen (meiner Heimat) unbekannt ist. Ich erkläre kurz was das überhaupt ist: Es ist ein tragbares Erzähltheater aus Holz, das als Rahmen für Bildkarten dient. Es sieht aus wie ein Fensterladen. Wenn man die Flügeltüren öffnet, dann sieht man die „Bühne“ des Theaters. Auf der Rückseite des Rahmens gibt es einen Schlitz für die Bildkarten.
Dieses kleine Ding (mit Bildern im DIN- A3- Format) bietet enormes Potenzial vor. Hinter jeder Bildkarte gibt es einen Text zum Vorlesen – das ist eine Möglichkeit. Man kann also Geschichten vorlesen, oder selbst erzählen. Man kann eigene Bilder aus verschiedenen Materialien präsentieren, eigene Geschichten erfinden oder bewegliche Figuren nutzen. Diese Kombination aus Bildern oder (beweglichen Figuren) der Stimme und der Mimik des Erzählers schafft eine magische Atmosphäre. Alle Kinder – auch die, die keine Bücher mögen oder sprachlich noch nicht fit sind – werden mit offenem Mund dasitzen und wie bezaubert zuhören. Es ist sogar eine ideale Methode für Kinder mit DaZ (Deutsch als Zweitsprache). Bilder, die imaginierte Stimme und die Mimik erleichtern die Verarbeitung der Sprache. Man kann Geschichten auf verschiedene Art und Weise darstellen, beispielsweise mit Musik, Geräuschen usw.
Ich denke, dass diese besondere Methode ein bisschen Übung erfordert. Es lohnt sich jedoch, Zeit zu investieren, weil diese Bilder und die Art und Weise des Erzählers für immer in den jungen Köpfen bleiben. Es ist auch super praktisch, man kann es überall benutzen: zu Hause, im Kindergarten, in Schulen, in einer kirchlichen Gemeinde, beim Picknicken. Wartet nicht lange und testet selbst, wie groß der Spaß sein kann, ein eigenes Theater zu Hause zu haben!
